Verarbeitungshinweise Ytong Energy+

 

Planungsgrundsätze

  • Geeignet zur Errichtung von tragenden Außenwänden von ein- und zweigeschossigen Gebäuden mit einer Bruttogrundfläche von ≤ 400 m² sowie einer Höhe von ≤ 7 m (Oberkante letzte Decke bis zur Geländeoberkante).
  • Die lichte Geschosshöhe beträgt ≤ 2,75 m (Rohbau).
  • Das Kellergeschoss und über ein zweites Geschoss hinausgehende Wände werden in anderer Bauweise (z. B. Ytong Planblock) erstellt.
  • Der Standsicherheitsnachweis erfolgt nach neuer DIN EN 1996-1-1, DIN EN 1996-1-1/NA und DIN EN 1996-1-1/NA/A1-A2 mit Stoßfugenvermörtelung, die rechnerische Wanddicke entspricht der Tragschalenbreite (17,5 cm aus PP 2-0,35).
  • Der Wandkopf ist durch eine auf der Tragschale voll aufliegende Stahlbetondecke oder einen ersatzweise nachgewiesenen Ringbalken
    zu halten.
  • Für zweiseitig gehaltene Pfeiler ist eine Mindestbreite von 1,25 m vorzusehen.
  • Maximal zulässige charakteristische Windbelastung 1,5 kN/m²
  • Nicht für Erdbebenzonen geeignet

 

Verarbeitungsgrundsätze

  • Unter der ersten Lage des Ytong Energy+ Mauerwerks wird eine Ausgleichsschicht aus Ytong PP 2-0,35 mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,09 [W/(mK)] erstellt.
  • Die Stoß- und Lagerfugen aller Steine werden vollflächig vermörtelt und ein Armierungsgewebe in die Lagerfuge ohne Überlappung (d. h. Stoßausbildung in der Steinmitte) eingelegt.
  • Außenputz: Als Grundputz ist Multipor Leichtmörtel mit vollflächiger Gewebeeinlage zu verwenden (Stöße müssen 10 cm überlappen). Mit Hilfe der Multipor Konkordanzliste können alle Wünsche zur Oberflächengestaltung anhand der großen Auswahl an Oberputzen umgesetzt werden.
  • Überstände sind nicht zulässig
  • Lagerfugenbewehrung ab der Fuge Ausgleichsschicht/Ytong Energy+

Die Verarbeitung des Ytong Energy+ ist ebenso unkompliziert wie die eines monolithischen Ytong Planblocks.

Übliches Maurerwerkzeug wie Kelle, Zahntraufel, Gummihammer, Wasserwaage, Plankelle etc. ist dafür vollkommen ausreichend. Desweiteren ist darauf zu achten, dass ausreichend Gewebe in Mauerwerksbreite für die Lagerfugen vorhanden ist. Zum Versetzen der allseitig glatten Steine bieten sich handelsübliche Plattengreifer beispielsweise der Marke Haromac an.

Als erste Steinlage ist grundsätzlich eine Schicht aus Ytong Ausgleichssteinen der Qualität PP 2-0,35 (λ = 0,09 [W/(mK)]) in Wandbreite vorzusehen.

Praxistipp

Praxistipp:

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ytong energy plus

Erste Schicht setzen

Die Ausgleichsschicht wird analog zum regulären Mauerwerk errichtet.

Zweite Schicht setzen

Nach dem Aushärten der Ausgleichsschicht kann das Aufmauern der Ytong Energy+ Steine im Dünnbettverfahren erfolgen. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass in der ersten Lagerfuge zwischen Ausgleichsschicht und Energy+ bereits mit der Lagerfugenbewehrung begonnen wird.

Das Gewebe ist in jeder Lagerfuge einzulegen und vollflächig mit Dünnbettmörtel zu umschließen. Hierzu wird zunächst eine Schicht Mörtel mit einer Zahnkelle größerer Zahnung (≥ 10 mm) aufgebracht und nach dem Einlegen des Gewebes noch einmal abgezogen. Alternativ kann der Dünnbettmörtel mit einer Zahnkelle üblicher Zahnung in zwei Schritten, vor und nach dem Einlegen des Gewebes, aufgebracht werden.

Bei Gewebestößen wird auf eine Überlappung verzichtet. Der Stoß ist so anzuordnen, dass er in der Mitte eines Steines liegt.

Um ein Austrocknen des Dünnbettmörtels zu vermeiden, ist dieser immer nur für maximal 2 bis 3 Steine im Voraus aufzutragen. Auch das Gewebe wird immer nur schrittweise mit ausgerollt, da es allseitig von Dünnbettmörtel umschlossen sein muss.

Praxistipp

Praxistipp:

Die Konsistenz des Mörtels stimmt, wenn die Furchen beim Aufziehen nicht zerlaufen. Bei lang anhaltend trockener Witterung sollten die Lagerfugen der Energy+ Steine gleichmäßig angefeuchtet werden, um ein zu schnelles Erhärten des Dünnbettmörtels zu verhindern.

Herstellen des Mauerwerks aus Ytong Energy+ Steinen

Ist der Dünnbettmörtel einmal aufgetragen und das Gewebe ordentlich eingebettet, gilt es, den Ytong Energy+ möglichst genau an den endgültigen Platz zu setzen. Wie die Ausgleichsschicht beginnt auch die erste Energy+ Schicht an einer Gebäudeecke mit einem exakt ausgerichteten Eckstein. So ist es einfacher, die Ecke als einbindende Verzahnung auszuführen und das wichtige Überbindemaß (lol) von mindestens 0,4 x Steinhöhe einzuhalten.

Ausführung von Außenecken

Bei der Außführung von Außenecken mit dem Ytong Energy+ ist grundsätzlich darauf zu achten, das geforderte Überbindemaß von lol ≥ 0,4 x Steinhöhe (h) einzuhalten. Bei einer Steinhöhe von 249 mm ergibt dies ein Mindestüberbindemaß von 100 mm. Beginnt man also in der Ecke mit einem halben Ytong Energy+ Stein, so ergibt sich bei einer Wanddicke von 425 mm ein Überbindemaß von mindestens 175 mm und bei einer Wanddicke von 500 mm ein Überbindemaß von mindestens 250 mm.

Ausführung Aussenecken
Ausführung Aussenecken

Ist die Ausgleichsschicht ausgerichtet, tragfähig und gesäubert kann die erste Dünnbettmörtelschicht aufgetragen werden [1]

Als nächstes wird ein Gewebe als Lagerfugenbewehrung eingebettet. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass das Gewebe rechtwinklig zur gestoßenen Steinreihe verläuft [2], sodass der Stoß überdeckt wird. Im Anschluss wird das Gewebe flächig in den Mörtel eingedrückt.

Danach wird eine zweite Schicht Dünnbettmörtel vorsichtig aufgezogen. Dabei ist darauf zu achten, beim erneuten Auftragen des Mörtels das Gewebe nicht zu verschieben. [3,4]

Dünnbettmörtel aufbringen Ytong 1

Dünnbettmörtel aufbringen

2

Gewebe einbetten

3

Eindrücken des Gewebes

4

Zweite Lage Dünnbettmörtel

Praxistipp

Praxistipp:

Der Mörtel und das Gewebe können für 2 – 3 Steine im Voraus aufgetragen und ausgerollt werden.

Jede Steinlage beginnt sinnvollerweise mit einem halben Ytong Energy+ Stein [5].

Das erleichtert den Arbeitsablauf, da für die Ausführung der Außenecken kein Verschnitt anfällt und in jeder Steinreihe das Überbindemaß eingehalten wird. Sind die ersten beiden halben Energy+ Steine in den gegenüberliegenden Gebäudeecken gesetzt und ausgerichtet hilft auch hier eine Maurerschnur, an der sich die nachfolgenden Energy+ Steine lot-und fluchtrecht ausrichten lassen.

Von den Außenecken aus arbeitet man sich in Richtung Wandmitte vor, sodass Passstücke nicht am Wandende sitzen und dort das Überbindemaß stören. Passstücke sind so zu schneiden, dass auch hier ein Mindestüberbindemaß von lol ≥ 100 mm eingehalten wird.

5

Beginnend mit einem halben Energy+ Stein

6

Stoß-und Lagerfuge vollflächig vermörtelt

7

Gleichmäßig verzahntes Mauerwerk

Praxistipp

Praxistipp:

Wichtig ist, die Stoßfuge jedes gesetzten Ytong Energy+ Steines vollflächig zu vermörteln [6].

Alle weiteren Mauerwerksschichten sind analog der ersten Schicht zu setzen. Auch hier wird wieder mit einem halben Ytong Energy+ Stein begonnen, sodass ein gleichmäßig verzahntes Mauerwerk entsteht. [7]

Ausführung von Innenecken

Die Ausführung einer Innenecke verläuft ähnlich der einer Außenecke. Auch hier wird mit einem Passstück begonnen. Dabei muss man zwingend darauf achten, dass die Tragschale an der Innenseite der Ecke durchläuft. Das bedeutet, jede Steinreihe fängt mit einem 175 mm langen Passstück aus Ytong Porenbeton PP 2-0,35 an. Hier ist es irrelevant, ob es sich um einen 425 mm oder 500 mm breiten Energy+ handelt, da in beiden Fällen die Tragschale eine Dicke von 175 mm hat [8] [9] [10].

Ist die Ausgleichsschicht ausgerichtet, tragfähig und gereinigt, kann die erste Dünnbettmörtelschicht aufgetragen werden. Als nächstes wird ein Gewebe als Lagerfugenbewehrung eingebettet. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass das Gewebe rechtwinklig zur gestoßenen Steinreihe verläuft [11], sodass der Stoß überdeckt wird.

8

Ausführung Innenecke

9

Erste Dünnbettmörtelschicht

10

Stoß-und Lagerfugenvermörtelung

11

Gewebe einbetten

Im Anschluss wird das Gewebe flächig in den Mörtel eingedrückt und eine zweite Schicht Dünnbettmörtel vorsichtig aufgezogen [12].

Auch hier ist wieder darauf zu achten, das Gewebe beim erneuten Auftragen des Mörtel nicht zu verschieben. Dann wird das Passstück aus Ytong Porenbeton (175 mm) auf die Ausgleichschicht gesetzt und ausgerichtet. Sinnvollerweise wird direkt auch der erste ganze Ytong Energy+ Stein gesetzt, damit das Passstück aus Porenbeton stoßseitig vermörtelt ist und sicher steht [13].

Bitte auch hier unbedingt darauf  achten, dass das Lagerfugengewebe rechtwinklig zum Stoß verläuft

12

Zweite Dünnbettmörtelschicht

13

Setzen des Passstückes in der Innenecke

14

Tragender Porenbetonsturz aufgelagert auf Tragschale

15

Stoß-und Lagerfuge vollflächig vermörtelt

Ausführung von Stürzen

Wenn Fensteröffnungen mit Stürzen zu überbrücken sind, wird dazu im Bereich der Tragschale ein tragender Ytong Porenbetonsturz eingesetzt [14]. Dieser muss auf beiden Seiten eine Mindestauflagertiefe von 190 mm haben und sowohl in der Lager als auch in der Stoßfuge vermörtelt werden [15].

Im Anschluss wird der Sturz außenseitig mit einer Dämmschicht aus Multipor Mineraldämmplatten versehen [16]. Diese werden vollflächig an den Porenbetonsturz geklebt. Bei einer Mauerwerksdicke von 425 mm ist  eine Dämmschicht von 175 mm und bei einer Wanddicke von 500 mm eine Dämmschicht von 250 mm aufzubringen.

Im Bereich der Außenschale wird die Öffnung ebenfalls mit einer durchlaufenden Porenbetonschale überbrückt, die vollflächig mit der Mineraldämmplatte zu verkleben ist. Hier bieten sich nichttragende Ytong Porenbetonstürze mit einer Breite von 75 mm an, passend zur Dicke der Außenschale. Im Anschluss wird die Ytong Porenbetonverblendschale mit Tellerdübeln (L = 395 mm) in der Tragschale verankert [17].

Hier reichen drei Dübel für standardmäßige Sturzlängen von 1,30 m.

Sind größere Fensteröffnungen zu überbrücken, kann natürlich auch auf einen tragenden Ytong Sturz in der Außenschale zurückgegriffen werden. Hier ist allerdings darauf zu achten die Dämmschicht so anzupassen, dass in Summe die gewählte Mauerwerksdicke erreicht wird.

16

Dämmen des Sturzes mit Multipor Mineraldämmplatten

17

Verankern des vorderen Sturzes mit der Tragschale

Anfasen der Steinkante Ytong 18

Anfasen der Steinkante

deckenanschluss ytong 19

Deckenanschluss

Ausführung von Deckenauflagern

Der Wandkopf ist immer durch eine voll aufgelagerte Stahlbetondecke oder einen ersatzweise nachgewiesenen Ringbalken zu halten. Grundsätzlich ist zu empfehlen, die Innenkante der obersten Steinlage mit dem Schleifbrett anzufasen [18], um Kantenabplatzungen am Deckenauflager zu vermeiden.

Die Deckendetailausbildung ist wie folgt auszuführen:

Die Stahlbetondecke muss voll auf der Tragschale aufgelagert sein [19]. Im Außenschalenbereich ist auch hier eine bewehrte Ytong Porenbetonverblendschale zur Abfangung der aufgehenden Außenschale einzusetzen. An dieser Stelle bietet sich der Ytong Deckenabstellsturz mit einer Länge von 3,0 m und einer Breite von 115 mm an. Der Zwischenraum zwischen Decke und Abstellsturz ist mit Mineralwolle zu dämmen. Als mechanische Sicherung ist die Außenschale im Deckenauflagerbereich zu verdübeln.

Praxistipp

Praxistipp:

Ein Dübel pro laufender Meter ist hier vollkommen ausreichend.

Ausbildung von Pfeilern

Für zweiseitig gehaltene Pfeiler ist eine Mindestbreite von 1,25 m vorzusehen. Sie dürfen vollständig aus Ytong Energy+ Steinen hergestellt werden, sofern nicht die seitliche Befestigung von Fenstern oder Türen eine angepasste Ausführung erforderlich macht.

Wandanschlüsse

Bei Porenbetonmauerwerk werden Wandanschlüsse in der Regel in Stumpfstoßtechnik ausgeführt. Nachdem einzelne Wände hochgemauert wurden, lassen sich die aussteifenden Wände über den Mauerverbinder (l = 300) „stumpf“ anschließen. Dort, wo die aussteifende Wand anstößt, sind Mauerverbinder zur Hälfte in den Mörtel der Lagerfuge einzulegen [20], um einen festen Verbund zu gewährleisten. Die Ankerzahl richtet sich dabei nach den statischen Vorgaben.

Praxistipp

Praxistipp:

Die Anzahl der Verbinder ist lastabhängig, jedoch empfiehlt sich bei Gebäuden mit bis zu zwei Geschossen alle 500 mm Wandhöhe ein Mauerwerksanker. Also in jeder zweiten Steinlage.

20

Mauerverbinder einlegen

21

Herunterbiegen des Mauerverbinders

22

Einschlaganker für unterschiedliche Schichthöhen

23

Einschlagen des Ankers

Mauerwerksverbinder in der Lagerfuge verzahnen die einbindende Wand. Bei allen Wänden ist der Stumpfstoß der einbindenen Wand vollflächig zu vermörteln. Bei nicht tragenden Wänden ist in der Regel ein gleitender Anschluss die beste Lösung.

Praxistipp

Praxistipp:

Die Mauerwerksverbinder müssen fest sitzen, nur so ist eine kraftschlüssige Verbindung gewährleistet. Dies lässt sich durch Ziehen per Hand (unbedingt Handschuhe tragen) überprüfen. Um Verletzungen zu vermeiden, sollte man die Verbinder im Bauzustand nach unten biegen [21].

Ytong Einschlaganker [23] eignen sich bestens, um Wände mit einer unterschiedlichen Schichthöhe anzuschließen. Sie sind ein konstruktives Mittel und dürfen nicht zur Halterung angesetzt werden. Mit einem Hammer lassen sie sich in der jeweiligen Höhe in das Ytong Mauerwerk einschlagen [24] und werden anschließend in die Lagerfuge der anzuschließenden Wand eingelegt und vollflächig vermörtelt.

Ausbildung von Brüstungen und Laibungen

Die Befestigung von Fenstern und Türen in den Öffnungen hat aus thermischen Gründen im Bereich der Dämmebene zu erfolgen. Zur mechanischen Befestigung sind deshalb im Laibungsbereich Porenbeton-Vollsteine der Qualität PP 2-0,35 (λ = 0,09 [W/(mK)]) für die Befestigung vorzusehen. Je nach Fenstergröße und -gewicht ist die genaue Anzahl der Befestigungspunkte im Vorfeld zu bestimmen.

Während des Einbaus ist darauf zu achten, dass die Multipor Schicht nicht beschädigt wird. Um das Fenster im Bauzustand absetzen und ausrichten zu können, ist bis zur endgültigen Befestigung eine geeignete Unterlage zur Lastverteilung vorzusehen. Hier bietet es sich an, im Brüstungsbereich Porenbeton Ausgleichsteine der Qualität PP 2-0,35 (λ = 0,09 [W/(mK)]) vorzusehen.

Beim Verputzen ist darauf zu achten, dass der Laibungsbereich von Öffnungen ebenfalls vollflächig mit Gewebearmierung ausgebildet wird. Es sind entsprechende Putzschienen mit Gewebeanschluss zu verwenden.

Kommen Rollladenkästen oder Raffstores zum Einsatz, sollte auf sogenannte Aufsatzrollladenkästen zurückgegriffen werden. Diese werden in entsprechender Wanddicke hergestellt und vor der Montage auf den Fensterrahmen aufgesetzt. Hier bietet z. B. die Firma Beck+Heun GmbH individuell angefertigte Lösungen für ihr Bauvorhaben.

Baubuch 2018/2019 – 5. Auflage

Downloads

Baubuch Kapitel 3 – Wandbaustoffe

Baubuch Kapitel 3.4 – Produkte und Verarbeitung Ytong Porenbeton

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