Schlitze und Aussparungen

Bevor die Schutzschichten auf Ytong Porenbeton und Silka Kalksandstein aufgebracht werden, sind zunächst alle Leitungen zu verlegen.

Die dafür erforderlichen Schlitze und Aussparungen lassen sich im  Bauablauf individuell erstellen.

Leitungen für haustechnische Anlagen werden vorzugsweise „unter Putz“ verlegt, lediglich in untergeordneten Räumen des Kellers oder Dachgeschosses ist das Verlegen „über Putz“ üblich.

Für fachgerecht ausgeführte Schlitze und Aussparungen in Ytong und Silka Wandbaustoffen sind die in der Tabelle 1 dargestellten Werte nach DIN EN 1996-1-1 (Eurocode 6) und dem entsprechenden nationalen Anhang einzuhalten.

Tabelle 1: Zulässige Schlitzbreiten ohne Nachweis nach DIN EN 1996-1-1/NA
Tabelle 1: Zulässige Schlitzbreiten ohne Nachweis nach DIN EN 1996-1-1/NA

Die Tabellenwerte regeln zwar nur tragende Wände, die Aussagen treffen jedoch häufig auch auf nicht tragende Wände zu (siehe auch Merkblatt Schlitze und Aussparungen der DGfM). Die Lage und Anordnung von Schlitzen und Aussparungen ergeben sich dabei hauptsächlich aus der Elektro- und Sanitärinstallation, wobei die normativen Vorgaben zur „kreuzungsfreien“ Verlegung der Leitungssysteme beider Gewerke immer planerisch berücksichtigt werden sollen.

Schlitze und Aussparungen schwächen den Wandquerschnitt und sind deswegen auf ein Minimum zu reduzieren.

In Stürzen oder anderen tragenden Bauteilen sind sie generell zu vermeiden. Sind dennoch Schlitze oder Aussparungen in solchen Bauteilen gewollt, ist vorab die Zustimmung des Planers einzuholen.

Lassen sich die in Tabelle 1 aufgeführten Werte einhalten, ist kein Nachweis für die zu erstellenden Schlitze und Aussparungen notwendig. Werden die Grenzwerte  jedoch überschritten, ist die Standsicherheit der Wand – einschließlich der benötigten Löcher – rechnerisch zu prüfen.

Vertikale Schlitze und Aussparungen

Vertikale Schlitze und Aussparungen sind ohne Nachweis zulässig, wenn sie – bezogen auf 1 m Wandlänge – den Wandquerschnitt nicht um mehr als 6 % schwächen und die Wand nicht als drei- oder vierseitig gehaltene Wand gerechnet wurde [1].

Horizontale und schräge Schlitze

Horizontale und schräge Schlitze sind im Bereich von ≤ 400 mm ober- und unterhalb der Decke bzw. Bodenplatte sowie jeweils an einer Wandseite anzuordnen. Des Weiteren sind sie ≥ 490 mm von der nächsten Öffnung und mindestens die zweifache Schlitzlänge vom nächsten Horizontalschlitz aus vorzunehmen. Grundsätzlich gelten hier die Installationszonen nach DIN 18015-3 [2].

Fachgerechte Ausführung im Mauerwerk

Schlitze in Ytong und Silka Mauerwerk sind mit geeignetem Werkzeug einfach auszuführen. Mit der Mauerfräse [3] lassen sich beispielsweise die gewünschten Schlitze bis zur zulässigen Tiefe genau anschneiden und der Steg kann anschließend einfach herausgebrochen werden. Am besten ist es, die Höhe des Schlitzes zunächst mit einem Bleistift anzuzeichnen und dann mit der Mauerfräse daran entlangzufahren.

Doch es geht auch ohne Fräse: Mit dem Ytong Rillenkratzer sind bis zu 30 mm tiefe Schlitze für beispielsweise Elektroinstallationen möglich. Dazu wird das Werkzeug einfach auf der vorgezeichneten Linie angesetzt, um von dort aus so lange zu kratzen [4], bis ein Schlitz entsteht. Soll darin die Elektroleitung für eine Steckdose oder einen Lichtschalter verlegt werden, ist es günstig, das Loch dafür bereits im Vorfeld zu erstellen [5], um mit dem Rillenkratzer im Loch enden zu können [6].

3

Horizonaler Schlitz, hergestellt mit einer Mauerfräse

4

Ytong Rillenkratzer

5

Erstellung eines Lochs für einen Steckdoseneinsatz

6

Vertikalschlitz für Elektroinstallationen

Sind die Leitungssysteme verlegt, lassen sich die Schlitze mit geeignetem Füllmörtel schließen. Bei Ytong Porenbeton eignet sich Ytong Füllmörtel [7] am besten, alternativ kann der Verschluss wie bei Silka Kalksandstein mit Haftgipsputz erfolgen. Die Oberfläche ist so auszuführen, dass die Ebenheitsanforderungen [8] für die Nachfolgegewerke eingehalten werden.

Sind tiefere Schlitze notwendig, als sie nach DIN EN 1996-1-1/NA ohne Nachweis zulässig sind, müssen diese von Anfang an eingeplant und während der Wanderstellung eingebracht werden. Diese Aussparungen sind dann im benachbarten Mauerwerk jeweils als freier Rand zu berücksichtigen und je nach Mauerwerksdicke unterschiedlich herzustellen.

Ytong Porenbetonsteine lassen sich dazu problemlos mit einer Bandsäge oder auch per Hand mit dem Fuchsschwanz zuschneiden, sodass schnell und einfach Aussparungen beispielsweise für Abfluss- oder Heizungsleitungen [9] entstehen.

Für Silka Kalksandsteine bietet sich eine vorgefertigte U-Schale [10] an, da ihre Abmessungen den Kalksandsteinformaten entsprechen und somit bereits im Rohbau eine maßgenaue Installationsöffnung hergestellt werden kann. Allerdings sind hier die Querschnittsschwächungen stärker, was besondere Maßnahmen in der Oberflächenbehandlung erfordert.

7

Ytogn Füllmörtel

8

Verfüllter Schlitz

9

Aussparung für Abfluss- und Heizungsleitungen

Prinzipdarstellung Schlitzerstellung 10

Schlitzerstellung

11

Verfüllen der Hohlräume mit Mineralwolle

12

Streckmetall

13

Streckmetall verspachteln

14

Ausgleichsspachtelung

Die bauphysikalischen Eigenschaften zum Wärme-, Brand- und Schallschutz machen es außerdem sinnvoll, die Hohlräume zunächst mit Mineralwolle [11] oder adäquaten Materialien zu verfüllen. Aussparungen dieser Größenordnung lassen sich am besten verschließen, indem man sie mit einem sogenannten Streckmetall [12] überspannt und anschließend mit Ytong Vierkantnägeln befestigt – wodurch mögliche Spannungen durch den Untergrundwechsel ausgeglichen werden. Das Streckmetall lässt sich mit geeigneten Füllstoffen wie z. B. dem Multipor Leichtmörtel verspachteln [13], bevor am nächsten Tag die Folgearbeiten beginnen.

Je nach (Un-)Ebenheit des Streckmetalls bietet sich zudem eine vollflächige Ausgleichsspachtelung [14] an.

Praxistipp

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Baubuch 2018/2019 – 5. Auflage

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Baubuch Kapitel 3 - Wandbaustoffe

Baubuch Kapitel 3.6 - Folgearbeiten

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