Nachweis Wohngebäude

Mit dem Referenzgebäudeverfahren lassen sich alle Arten von Wohn- und Nichtwohngebäuden energetisch berechnen. Für Wohngebäude bietet sich bis zum 31.12.2023 das Verfahren nach DIN V 4108-6 in Verbindung mit DIN V 4701-10 an, da hier der Aufwand geringer ist als mit den Datengrundlagen aus DIN V 18599. Danach sind auch Wohngebäude mittels DIN V 18599 zu berechnen.

Die energetische Qualität der Gebäudehülle ergibt sich über den Transmissionswärmeverlust. Dieser Wert bilanziert die Bauteile der Gebäudehülle so, dass die Dämmwirkung im Mittel über alle Außenbauteile (z.B. Wände, Dach, Fenster etc.) erkennbar wird. Das Referenzgebäude macht hier entsprechende Vorschläge für die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) der einzelnen Bauteile. Diese können sowohl unter- als auch überschritten werden. Damit kann der Planer entsprechende wirtschaftliche Lösungen für die Gebäudehülle schaffen. Zusätzlich wird im GEG die Berücksichtigung der Wärmebrücken weiter fortgeschrieben und dem Planer die Aufgabe zugewiesen, diese auf wirtschaftliche Weise zu vermeiden.

Abb. 1: Technische Ausführung des Referenzgebäudes (Wohngebäude) - Gebäudehülle

Der Energieverbrauch eines Gebäudes wird weiterhin durch die Kombination aus der Bauteilqualität der wärmeübertragenden Gebäudehülle und der eingesetzten Anlagentechnik für Heizung, Trinkwassererwärmung und Lüftung bestimmt. Das Referenzgebäudeverfahren ermöglicht auch in der Anlagentechnik eine hohe Kombinationsvielfalt und wird einem Referenzstandard gegenübergestellt. Im Rahmen des Nachweises kann dann die Anlagentechnik zusätzlich durch Herstellerkenndaten und exakte Leitungslängen optimiert werden. Damit lassen sich gegenüber den Normwerten deutliche Einsparungen im rechnerischen Jahresprimärenergiebedarf erzielen.

Mit dem Wechselspiel zwischen den einzelnen Komponenten beschreibt das aktuelle GEG keine starren Grenzwerte, sondern ermöglicht vielmehr ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Gebäudehülle und der Anlagentechnik, um die energetischen Anforderungen einzuhalten. Im Referenzgebäude werden Vorgaben zu Bauteil- und Anlagenkennwerten zur Ermittlung des maximal zulässigen Jahresprimärenergiebedarfs gemacht. Aus diesen Kennwerten und der Geometrie des tatsächlichen Gebäudes ergibt sich der energetische Standard. Dabei zählt die Summe aller Werte – nicht die Einzelwerte.

Abb. 2: Technische Ausführung des Referenzgebäudes (Wohngebäude) - Gebäudehülle

Der Anforderungswert aus dem Referenzgebäude zeigt im Energieausweis den maximal zulässigen Jahresprimärenergiebedarf sowie den Transmissionswärmeverlust, den das geplante Gebäude einzuhalten bzw. zu unterschreiten hat. Dabei sind beliebige Abweichungen bei den einzelnen Bauteilen und der Anlagentechnik möglich, solange sie die vorgegebenen Grenzwerte nicht überschreiten. Je deutlicher die Anforderungswerte unterschritten werden, desto geringer sind der Energieeinsatz und damit auch die Betriebskosten des Gebäudes.

Abb. 3: Berechnungsablauf - Referenzgebäudeverfahren nach DIN V 4108-6 in Verbindung mit DIN 4701-10

Zusätzlich ist die anteilige Nutzung erneuerbarer Energien nachzuweisen.

Alternativ kann der Nachweis des Wohngebäudes mit Hilfe des Modellgebäudeverfahrens erfolgen. Bei diesem vereinfachten Verfahren kann durch die Kombination aus festgelegten Varianten des baulichen Wärmeschutzes sowie der Anlagentechnik der Nachweis ohne entsprechende Berechnungen erfolgen. Allerdings sind hierbei die Voraussetzungen für das Verfahren zu beachten sowie die jeweiligen festen Grenzwerte der Wärmedurchgangskoeffzienten bzw. festgelegten Anlagenvarianten einzuhalten. Ein Vorteil ist der geringere Zeitaufwand des Nachweises, jedoch ist die Kombinationsvielfalt wie beim Referenzgebäudeverfahren nicht gegeben. Mit dem Referenzgebäudeverfahren können somit wirtschaftlichere Gebäudeplanungen erfolgen.

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