Hinweise und Erläuterungen

 

Planungshinweise zur Erreichung bzw. Sicherung der Schallschutzziele

Entsprechend den Anforderungen und Zielen der DIN 4109 ist der Schallschutz bereits Teil der Planungsphase, in der sich der Planer Gedanken über die Lage der „leisen“ und „schutzbedürftigen Räume“ (z. B. Wohn- und Schlafräume oder Kinderzimmer) zu den „lauten Räumen“ (Sanitärräume, Küchen und Treppenräume) machen sollte.

Wohn- und Schlafräume sollten dabei möglichst so angeordnet werden, dass sie wenig von Außenlärm betroffen sind und von den Treppenräumen durch andere Räume, wie Wasch- und WC-Räume, Küchen, Flure und ähnliche, getrennt sind. Beiderseits an Wohnungstrennwände angrenzende Räumesollten gleichartiger Nutzung sein, z.B. Küche neben Küche, Schlafraum neben Schlafraum usw., sofern nicht durchgehende Gebäudetrennfugen/Haustrennwände etc. vorhanden sind.

Da nach DIN 4109, Abschnitt 1, diese Norm zum Schutz von Aufenthaltsräumen im Nachbarbereich dient, lässt sich an dieser Stelle kein Schallschutz zwischen lauten Räumen ableiten.

Um die Anforderungen an Treppenräume in Mehrfamilienhäusern einhalten zu können, sind einige planerische Hinweise zu beachten. So sind u.a. Treppenläufe und -podeste elastisch zu lagern und Treppenläufe akustisch entkoppelt von angrenzenden Wänden anzuordnen.

Eine höherwertige akustische Trennung der Treppenräume vom übrigen Baukörper kann beispielsweise auch durch eine zweischalige Wandausbildung erreicht werden.

Auch bei Installationswänden greifen die a. a. R. d. T., gebäudetechnische Anlagen schalltechnisch entkoppelt an massive Bauteile anzuschließen. Zudem werden Rohrleitungen nicht in, sondern ebenso entkoppelt, vor der Wand verlegt (Vorwandinstallation).

Schallübertragung im Massivbau

In Gebäuden übertragen sich Geräusche von Raum zu Raum durch Bauteilschwingungen. Dabei wird der Baukörper entweder durch direkte Berührung zur Schwingung angeregt (Körperschall) oder indirekt durch Schwingungen der angrenzenden Luft (Luftschall).

Die so angeregten Bauteile übertragen die Schallwellen bzw. deren Energie anschließend in angrenzende Gebäudebereiche. Die dort wiederum abstrahlenden Bauteile regen nun die angrenzende Raumluft erneut zu Schwingungen an und produzieren Luftschall, den der Mensch hört.

Eine Sonderform des Körperschalls ist der Trittschall, der entsteht, wenn z.B. eine Person Decken- oder Treppenkonstruktionen betritt.

Die Schallübertragung zwischen Räumen findet im Massivbau aber nicht allein über ein trennendes Bauteil statt. Auch die unmittelbar umgebenden Bauteile werden durch Luft- oder Körperschall zu Schwingungen angeregt und übertragen die Schallwellen in benachbarte Räume.

Im Beispiel der Wohnungstrennwand stellt die angeschlossene Außenwand ebenso ein flankierendes Bauteil dar wie die Innenwand und auch die jeweils die Geräusche übertragende Decken- und Fußbodenkonstruktion (Abb. 1).

Grundsätzlich gilt für einschalig flankierende Bauteile: Je schwerer das Bauteil, desto höher ist die Schalldämmung.

Flankierende Schallübertragung im Massivbau
Abb 1. Flankierende Schallübertragung im Massivbau

Schalldämmung

Die wichtigste Größe des baulichen Luftschallschutzes ist das in Dezibel (dB) angegebene Schalldämm-Maß: Je höher die Luftschalldämmung, desto besser ist der Schutz vor Geräuschübertragungen.

Die Höhe des Schalldämm-Maßes hängt von der Bauteilkonstruktion und den verwendeten Materialien ab, wobei sich die Schalldämmung eines einschaligen Bauteils im Wesentlichen aus seiner flächenbezogenen Masse (auch Flächengewicht genannt) ergibt.

Die Faustformel lautet: Je höher das Flächengewicht, desto höher ist die Schalldämmung. Dies gilt grundsätzlich für alle Baustoffe, wobei deren Art, Ausbildung bzw. Zusammensetzung ebenfalls die Höhe der Schalldämmung beeinflusst.

So erreicht eine Wand aus Ytong Porenbeton dank der Porenstruktur gegenüber einer Stahlbetonwand mit gleicher flächenbezogener Masse ein um bis zu 4 dB höheres bewertetes Schalldämm-Maß.

Ein zuverlässiger Zusammenhang zwischen Flächengewicht und Schalldämmung besteht allerdings nur bei homogenen Baustoffen wie Kalksandstein oder Porenbeton, wohingegen sich bei Wandbaustoffen mit filigranem Lochbild die Schalldämmung nicht zweifelsfrei aus der flächenbezogenen Masse ermitteln lässt.

Die Resonanzen der dünnen Stege und Luftkammern im Material führen hier mitunter zu einer deutlich schlechteren Schalldämmung. Prüfergebnisse verschiedener Institute bestätigen, dass der aus dem Flächengewicht gewonnene Rechenwert der Schalldämmung bei diesen inhomogenen Materialien häufig weit über der gebauten und gemessenen Realität liegt.

Bei mehrschaligen Konstruktionen sind die Mechanismen bezüglich der Schalldämmung wesentlich komplexer und nicht nur aus den Massen ableitbar. Hier entscheidet das schwingungstechnische Zusammenspiel aller Bauteilschalen abhängig u.a. von Steifigkeit, Masse, Dicke und den Abständen zueinander.

Ein Effekt, der bei massiven Außenwänden mit innen oder außen liegender Wärmedämmung deutlich wird, da eine Wärmedämmung die Schalldämmung von Massivwänden erheblich verändern kann.

Der Grund: Durch den als Feder wirkenden Dämmstoff zwischen Tragwand und Putz können Resonanzen entstehen, die in bestimmten Frequenzbereichen die Schalldämmung beeinflussen.

Derartige Wärmedämmungen können sich also sowohl auf die Direktschalldämmung als auch auf die flankierende Schallübertragung verschlechternd auswirken.

Bewertungsverfahren zur Ermittlung des bewerteten Schalldämm-Maßes

Genau wie ein Geräusch ist auch das Schalldämm-Maß aus verschiedenen Frequenzen zusammengesetzt. In der Bauakustik betrachtet man 21 Frequenzbereiche zwischen 50 Hz und 5.000 Hz. Für die baurechtliche Bewertung werden 16 Frequenzbereiche zwischen 100 Hz und 3.150 Hz herangezogen.

Nun wäre es sehr unübersichtlich, wenn man sowohl für die Festlegung der bau akustischen Anforderungen an das Gebäude als auch im rechnerischen Nachweis jeweils mit diesen 16 Frequenzbereichen arbeiten müsste.

Daher wurde ein Verfahren eingeführt, mit dem die vielen frequenzabhängigen Schalldämm-Maße zu einem Wert zusammengeführt werden.

Es wäre falsch, hier von einem Mittelwert zu sprechen. Vielmehr werden die 16 Frequenzbereiche mittels eines normativen Bewertungsverfahrens mit einer Bezugskurve verglichen und es wird ein sogenannter Einzahlwert gebildet (Abb. 2).

Bezugskurve für die Luftschalldämmung nach DIN EN ISO 717-1
Abb. 2: Bezugskurve für die Luftschalldämmung nach DIN EN ISO 717-1

Das Ergebnis des bewerteten Schalldämm-Maßes ist abhängig davon, wie hoch die frequenzabhängigen Schalldämm-Maße sind und wie groß die Abweichung der Ergebniskurve aus Messungen im Vergleich zur Bezugskurve ist.

Dieses Verfahren kann allerdings auch dazu führen, dass trotz Einhaltung der schalltechnischen Anforderungen mit dem ermittelten Einzahlwert die Erwartungen an den Schallschutz subjektiv nicht erfüllt werden.

Das oben beschriebene Bezugskurvenverfahren täuscht mitunter über Schwächen in der Schalldämmung in einzelnen Frequenzbereichen hinweg. Darum gilt es, bei tieffrequenten Geräuschen den entsprechenden Spektrum-Anpassungswert zu verwenden.

Baubuch 2018/2019 – 5. Auflage

Downloads

Baubuch Kapitel 5 - Bautechnologie

Bautechnologie Kompakt

Kontaktieren Sie uns

Weitere Informationen gibt:

Unsere technische Bauberatung

Unsere Bauberater sind Baustoffexperten sowie zertifizierte Energiefachberater und unterstützen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit.

Telefon: 0800 5235665 (Freecall)

 

Hier finden Sie den Bauberater Ihrer Region